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Bahnhof Linde

Bahnhof Linde

In Etappen von Köln über Bergisch Gladbach, Rösrath und Immekeppel brauchte die Bahn über 60 Jahre, bis sie 1912 Lindlar erreichte. Keine 50 Jahre später wurde die Personenbeförderung auf der Strecke von Lindlar nach Bergisch Gladbach wieder eingestellt, der Güterverkehr bald darauf. Übrig geblieben sind die S-Bahnstrecke von Köln nach Bergisch Gladbach, ein beliebter Spazierweg auf der Trasse zwischen Bensberg und Rösrath durch den Königsforst, eine Reihe restaurierter Bahnhöfe in Privatbesitz, ein Radweg zwischen Lindlar und Hommerich auf renovierten Brücken und Trassen.

Die Metallfabrik Reusch in Hoffnungsthal und die Bergbaugesellschaft „Vielle de Montagne“ in Immekeppel waren die ersten Firmen im Sülztal, die in den Genuss von Gleisanschlüssen der Sülztalbahn kamen. Dafür hatten sie auch zusammen 90% der Baukosten von Bensberg über Rösrath bis Immekeppel übernommen. Auf den Weiterbau der Strecke von Immekeppel bis Lindlar mussten die Firmen und Bahngäste im oberen Sülztal jedoch noch über 20 Jahre warten. Grund dafür war vor allem das stärker ansteigende Gelände, eine Herausforderung für die Ingenieure, die Einschnitte wie bei Obersteeg und vor allem hohe Viadukte zu konstruieren hatten wie das bei Linde, damit die Strecke oben in Lindlar an den Steinbrüchen auskam. Aber auch die Bauarbeiten selbst stellten hohe Anforderungen an die Logistik. Dampfbagger und Feldbahnen kamen zum Einsatz, um die gewaltigen Erdmassen zu transportieren. Wanderarbeiter vor allem aus Italien und Kroatien, beschäftigt von der Elsässischen Baufirma, brachten Arbeitskraft, aber auch viel Leben ins stille Sülztal.

Der Güterverkehr bedeutete die wirtschaftliche Grundlage für den Bahnbetrieb. So rollten Grauwacke und Produkte der Metallindustrie von Lindlar bis an die Rheinschiene und darüber hinaus, aber auch Grubenholz. Personen- wie Güterzüge wurden von Dampfloks gezogen, meist von kompakten Tenderloks. Nicht unwichtig waren die Wagen der 4. Klasse „für Reisende mit Traglasten“, transportierten doch zahlreiche Kleinbauern aus dem Sülztal ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse zum Teil in Kiepen zu den Märkten der Städte. Genutzt wurde der Zug jedoch auch von Arbeitern und Angestellten, die so flexibel in der Wahl ihres Arbeitsplatzes wurden.

Bereits der Erste Weltkrieg hatte den Weiterbau der Strecke verhindert, Motorisierung und Straßenbau taten ihr Übriges, so dass trotz Ausdünnen des Fahrplans, Schließen von Bahnhöfen und Einsatz von Schienenbussen der Personenverkehr 1960 eingestellt wurde, der Güterverkehr wenig später. In den 70er Jahren kaufte und renovierte der gebürtige Lindlarer Hermann Haeck den Bahnhof Linde, ließ Schienen bis zum Linder Viadukt neu verlegen, erwarb Loks und Waggons - allerdings konnte er seinen Traum von der Wiederbelebung der Strecke zwischen Linde und Lindlar nicht realisieren. Über die nunmehr auf der Strecke rollenden (Fahr-)Räder würde er sich sicher freuen.

Nach der Stilllegung der Sülztalbahn gab es die Idee den Abschnitt von Linde nach Lindlar zu einem Fuß- und Radweg auszubauen. Dank des „Alleen-Radwege-Programms“ des Landes Nordrhein-Westfalen von 2008 konnte sie verwirklicht werden. So wurde vor allem das 85 m lange und 17 m hohe Viadukt über das Sülztal saniert; abends wird es sogar von Scheinwerfern angestrahlt. Bereits 2010 feierten der „Förderverein Sülztalbahn – Bahnstrecke und Landschaft erleben e.V.“ mit dem Musikverein Linde die Fertigstellung mit einem Brückenfest.

 

 

 

Quelle: Text R. Wagner, Fotos B. Hoffmann, Gemeindearchiv Lindlar


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