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St. Johannes-Kapelle

Johanneskapelle

Immer mit Schloss Oberheiligenhoven verbunden war die im 17. Jahrhundert errichtete Kapelle am Steimel zwischen dem Lennefetal und Voßbruch. Ab 1705 findet man das kleine Gotteshaus in den Annalen auch als „St-Johannes-Kapelle“, die im kirchlichen Leben Lindlars einmal im Jahr eine besondere Bedeutung erhielt, und zwar als erste Station der „Gottestracht“, der großen Prozession am Sonntag nach Fronleichnam von der Pfarrkirche St. Severin nach Heiligenhoven. Heute noch ist sie das Ziel der Hellinger Schützen, die am Fest des Johannes des Täufers, ihres Patrons hier eine Messe feiern.

Nicht immer spannungsfrei war das Verhältnis zwischen den Herren von Heiligenhoven und dem Pfarrer von Lindlar, wie der Streit zwischen Johann Joseph Reichsritter von Brück 1764 mit Pfarrer Potthoff wegen Unregelmäßigkeit in der Waldwirtschaft zeigt. Wen wundert es da, dass zum Schloss ein eigenes kleines Gotteshaus gehörte, das erst bei der Übernahme von Oberheiligenhoven durch den Landschaftsverband Rheinland als Verwaltungssitz des Bergischen Freilichtmuseums 1999 von den Liegenschaften des Schlosses abgetrennt wurde.

Ursprünglich was das Dach mit Holzschindeln gedeckt, wie eine Kirchenrechnung aus dem Jahre 1658 verrät. Vom Patronat des Heiligen Johannes war zu dieser Zeit offensichtlich auch noch nicht die Rede, nannte man die Kapelle doch einfach „Cruitzheußgen“, also „Kreuzhäuschen“. Erst als wir zu Beginn des 18. Jahrhunderts von der „Gottestracht“, der großen Prozession am Sonntag nach Fronleichnam erfahren, wird das Kirchlein als „St.-Johannes-Kapelle“ erwähnt. Hier war die erste Station dieses kirchlichen Umzugs, während sich die zweite in der Hauskapelle von Heiligenhoven und die dritte am Frauenhäuschen nahe des heutigen Ortsteils Falkenhof befand, von wo aus man zur Pfarrkirche St. Severin, der vierten Station, zurückkehrte.

Nicht alles, was man tagsüber mit einem Blick durch die geöffnete Tür vor dem Eisengitter erfassen kann, gehört zur ursprünglichen Ausgestaltung der Kapelle: Bei einer großen Renovierung in den 1980er Jahren erhielt die Kapelle einen neuen Altar, gestaltet von einem Wuppertaler Maler und Bildhauer. Die zentralen Begriffe der Heiligen Messe, Bot und Wein, werden durch aufrechte Kornhalme und einem darüber schwebenden Band von Weintrauben symbolisiert. Das Altarkreuz wurde restauriert und hinter dem Altar auf der Stirnwand der Kapelle neu aufgestellt. Neu sind auch die Johannes-Statue und eine nach dem Vorbild der Madonna von Kasan gemalte Ikone, die die beiden Seitenwände zieren und von den Schützen in einer Prozession vom Schloss feierlich hierher gebracht wurden.

Unverändert bietet die Eingangsfront von Westen dem Besucher ein recht ursprüngliches Bild dieser weit über 300 Jahre alten Kapelle: Deutlich sind die getünchten Natursteine erkennbar, das rundbogige Sandsteinportal mit der hölzernen Eingangstüre und die ebenfalls mit Sandstein eingefassten beiden Fenster. Im Giebel ist ein Sandsteinrelief eingelassen, das die heilige Familie zeigt. Es stammt aus einem Bildstock, der vor der Kapelle neben einer Bank stand. Hier soll sich Baroness Thea von Fürstenberg, die nach dem Verlust des Schlosses noch bis in die 1970er Jahre als letzte Nachkommin der Herren von Heiligenhoven in Lindlar lebte, bei ihren Spaziergängen ausgeruht haben. Heute wird die St.-Johannes-Kapelle, in der auch Hochzeiten und Taufen stattfinden, von Voßbrucher Bürgern aus der Nachbarschaft gepflegt.

 

 

Quelle: Text R. Wagner, Fotos Gemeindearchiv Lindlar


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