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Kapelle "St. Antonius" (d.Gr.)

Antoniuskapelle Waldbruch

Nahe der Wegekreuzung der Höhenstraße von Lindlar nach Westen mit der Querverbindung von Hohkeppel nach Linde liegt die Waldbrucher Kapelle, die ihre Erbauer mitten im Dreißigjährigen Krieg dem Heiligen Antonius weihten. Wie der Heilige Rochus wurde Antonius als Pestheiliger angerufen, aber auch gegen die Viehseuche in Anspruch genommen, ein besonderes Anliegen in dieser bäuerlich bestimmten Region. In der heutigen Form ist die recht große Kapelle erst später entstanden: der Chor im 17. Jahrhundert und das Langhaus 1913.

Die Anliegen der ehemals bäuerlich geprägten Siedlungen auf dem Höhenrücken zwischen Lindlar und Brombacher Berg kommen in der Waldbrucher Kapelle besonders zum Ausdruck. Der heilige Antonius Abbas, dem die Erbauer 1628 das kleine Gotteshaus weihten, wie der Heilige Rochus, dem später die Kapelle in Kemmerich und Schmitzhöhe geweiht wurde, waren Pestheilige, die in dem von Epidemien heimgesuchten 17. Jahrhundert besonders angefleht wurde. Die Mönchsgemeinschaft der Antoniter hatte sich, vor allem in Köln, in besonderem Maße um die Heilung der Pestkranken bemüht. Zum anderen riefen die Bauern aber seine Hilfe an im Kampf gegen die Viehseuche, denn Antonius war gleichzeitig Schutzheiliger der Bauern und Tiere und wurde deshalb im hiesigen Dialekt auch liebevoll als „Ferkes-Tünn“ bezeichnet.

Ein besonderer Brauch blieb lange Zeit in Waldbruch erhalten, nämlich am 17. Januar, am Namenstag des Heiligen, Brot an die Armen zu verteilen. Das so genannte Antoniusbrot, hier auch „Tünnes-Brot“ genannt, wird jedoch allgemein dem Wirken des heiligen Antonius von Padua zugesprochen. Wie auch immer, Antonius blieb für die Menschen Antonius! Ehemals brachte man aus der gesamten Umgebung, sogar aus Wipperfürth, an diesem Tag Brot, Fleisch, Eier und Butter als Opfergaben mit. Nach dem Hochamt, das man an diesem lokalen Feiertag in der Waldbrucher Kapelle beging, verteilte der Priester die Opfergaben an die Armen.

Die Kapelle selbst erfreute sich stets auch anderer Sponsoren: Kein geringerer als Freiherr von Waldenburg – genannt „Schenckeren zu Heiligenhoven“ – stiftete 1668 eine kleine Glocke mit dem Wappen der von Waldenburg. Die Kapelle ging jedoch 1769 mit den anderen Waldenburgschen Gütern im nahe gelegenen Heiligenhoven in den Besitz des Herrn von Brück über. Von Beginn an gab es aber auch zahlreiche private Stifter, so dass bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ein beträchtliches Stiftungsvermögen zusammengekommen war.

Nach Absprache mit den noch lebenden Stiftern wurde ein Erweiterungsbau geplant, der nicht nur den Bewohnern der Umgebung, sondern auch den Schulkindern der in der Nähe gelegenen Waldbrucher Schule zugute kommen sollte. Der Diözesanbaumeister des Erzbistums Köln plante den Erweiterungsbau und leitete die Bauarbeiten, die 1913 begannen, wegen des Ersten Weltkriegs aber erst vier Jahre spätere zu Ende gebracht werden konnten. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 12.040 Mark. Eingeweiht wurde der Neubau am Namenstag des Heiligen Antonius am 17. Januar 1917. Ein Kleinod in der neuen und größeren Kapelle ist die Altarplatte aus Holz vor dem Altar, ein Antependium mit drei Kreuzen und Abbildungen, die reliefartig in das Holz geschnitten wurden. Aber auch die aus dem 16. Jahrhundert stammende Antonius-Statue ist noch erhalten.

 

 

Quelle: Text R. Wagner, Fotos Gemeindearchiv Lindlar


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