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St. Luzia-Kapelle

Lucia-Kappelle Klause

Auch wenn nur noch der Chor der alten Lucia-Kapelle erhalten ist: die Klauser Kapelle ist eine der ältesten und trägt vermutlich den Namen der ursprünglichen Patronin der Lindlarer Pfarrkirche. Diese wurde im 12. Jahrhundert dem Kölner Severinsstift zugeschlagen und erhielt wahrscheinlich aus diesem Grunde den heiligen Severin zum Pfarrpatron. Ursprünglich gehörte die Klauser Kapelle zu einem Kirchengut, das jedoch im 19. Jahrhundert ebenso verkauft wurde wie später die baufällig gewordene Kapelle. Das verkleinerte Gotteshaus war Ziel zahlreicher Prozessionen am Ende eines Lindlarer Kreuzwegs und ist heute weitgehend ungenutzt.

Der fast quadratische Grundriss der Klauser Kapelle von 6,30 mal 4,80 Meter ist darauf zurückzuführen, dass nach dem Verkauf der baufällig gewordenen Kapelle 1834 der vordere Teil abgerissen wurde und nur der Chor erhalten blieb. Deutlich erkennbar ist die zugemauerte Öffnung des Kirchenschiffs, die mit einer neuen recht kleinen Eingangstür und zwei daneben liegenden Fenstern mit Sandsteinrahmen versehen wurde. Die „Restkapelle“ ist mit einem verschieferten Walmdach versehen und trägt einen vierseitigen Dachreiter. Dort hängen zwei kleine Glocken, eine von ihnen über 400, die andere über 200 Jahre alt. Gestiftet wurde die jüngere von dem Eremiten Severin Stelberg, der einst in der Lindlarer Eremitage lebte. Zur Ausstattung der Kapelle gehört vor allem ein Barockaltar mit der Statue der Heiligen Lucia, des Heiligen Severin und des Heiligen Josef sowie einer Herz-Jesu-Statue.

Die Heilige Lucia dürfte die älteste Patronin der Lindlarer gewesen sein. In der Urkunde zur Erstnennung Lindlars aus dem Jahr 1109 wird der Ort mehr oder weniger dem Severinsstift in Köln zugesprochen, was offensichtlich dazu führte, dass der Heilige Severin, einer der ersten Bischöfe Köln, nun auch zum Pfarrpatron der Lindlarer Kirche befördert wurde. Da die Klauser Kapelle kein privates Gotteshaus war, sondern zur Pfarrgemeinde gehörte, wurde möglicherweise kurzerhand das Patronat der Heiligen Lucia auf die Kapelle übertragen.

Die Verbindung von der Lindlarer Pfarrkirche hinauf zur Klauser Kapelle wurde dadurch vielleicht noch intensiviert. So führte – ähnlich wie nach Westen zur Rochuskapelle nach Kemmerich – ein Kreuzweg hinauf nach Klause, dessen Stationen teilweise noch an der Klauser Straße stehen, zum Teil aber auch an den Mauern der Lucia-Kapelle heute noch zu sehen sind. So gab es zahlreiche Prozessionen von Lindlar zur Klause, besonders bekannt diejenige am Festtag des Heiligen Maternus, am 13. September. Berühmt war aber auch eine Kirmes in Klause, die stets am Sonntag nach Dreifaltigkeit gefeiert wurde, in einem Gelände freilich, das noch nicht vom Gewerbepark bestimmt war.

Dass zumindest ein Teil der Klauser Kapelle bis in die heutige Zeit gerettet werden konnte, ist denjenigen zu verdanken, die 1834 die Kapelle von der Pfarrgemeinde erwarben. Die Pfarrei selbst war damit beschäftigt, den Umbau der ebenfalls baufällig gewordenen Lindlarer Pfarrkirche zu organisieren und vor allem zu finanzieren, so dass sie in ihrer Not die Kapelle nicht nur verkaufte, sondern dem Käufer auch das Recht einräumte, das Gotteshaus abzubrechen oder zum eigenen Nutzen stehen zu lassen. Der Abriss des vorderen Teils war also der Kompromiss einer offensichtlich wirtschaftlich vertretbaren Lösung, die dazu führte, dass die Klauser Kapelle bis heute zum Gottesdienst genutzt werden könnte.

 

 

Quelle: Text R. Wagner, Fotos Gemeindearchiv Lindlar


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