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St. Rochus-Kapelle

Rochuskapelle Kemmerich

Von allen Kapellen in und um Lindlar ist die Rochus-Kapelle eine der größten und ähnelt eher einer kleinen Kirche. Mehrfach wurde das kleine Gotteshaus, das 1688 von Peter Lob gestiftet wurde, umgebaut und erweitert, so dass bis 1917 sogar ein Sonntagsgottesdienst dort stattfand, heute im Wechsel mit Waldbruch eine Messe freitagsabends sowie Trauungen und Taufen. Geweiht ist das Kirchlein dem Pestheiligen Rochus. Ihn flehten die Menschen besonders im Bergischen während der großen Pestwelle an, die im 17. Jahrhundert auch viele Lindlarer dahinraffte. Die Inschriften an den Außenwänden und die Figuren im Innern erzählen davon.

Die Rochus-Kapelle in Kemmerich ist nicht nur die größte im Lindlarer Kapellenkranz, sondern auch die, die in ihren Inschriften rund um das Gebäude am meisten von sich erzählt. Eine in Stein gemeißelte Inschrift über dem sandsteingefassten Eingangsportal am Turm weist auf den Erbauer hin: „Diese Capel hat Peter Lob und Margareta, seine Hausfr(au) und Margareta, seine einige Dochter gebaut zu Ehren Gottes und S(ancti) Rochi anno 1668.“ Das Lobbenhäuschen, wie die Lindlarer die Kapelle auch liebevoll nach ihrem Stifter nennen, entstand in der Zeit der größten Not, einer Pestepidemie, die sich nach 1665 von Köln aus rasch verbreitete. In Lindlar raffte diese damals unheilbare Krankheit viele Bauern dahin, die den Dreißigjährigen Krieg (1618-48) einigermaßen überstanden hatten. Bereits 1635 war der Lindlarer Pastor Curmann einer ähnlichen Krankheitswelle erlegen. So stellten die Menschen die Kemmericher Kapelle unter den Schutz des Heiligen Rochus, eines südfranzösischen Adligen, der über 300 Jahre zuvor Pestkranke in Italien gepflegt, sich selbst angesteckt hatte, aber wundersam von der Pest geheilt worden sein soll.

Zu Beginn muss die Rochus-Kapelle so klein gewesen sein, dass darin nicht mehr als fünf Leute stehen konnten. Erst über hundert Jahre später konnte die Kapelle erheblich erweitert werden, so dass ein gut sechzehn Meter langer und knapp sieben Bruchsteinbau entstand. Die Sakristei wurde erst 1907 angefügt, nachdem bereits im 19. Jahrhundert zunächst der Chor erweitert worden war und der romanische Turm wegen Baufälligkeit erneuert werden musste, versehen mit einem runden Fenster in der Form eines vierblättrigen Kleeblatts auf der Frontseite und je einem romanischen Fenster an der Seite.

Die Bedeutung der Kapelle für die Gläubigen in Lindlar wird durch einen Kreuzweg mit sieben Stationen hervorgehoben, der von der Lindlarer Pfarrkirche an der Höhenstraße entlang bis zur Kapelle nach Kemmerich führt. Auf diesem Weg zogen die Gläubigen am 16. August, dem Fest des Heiligen Rochus in einer Prozession nach Kemmerich, um dort die Messe zu feiern und zu beten. „Ansprechpartner“ – wie die Figuren neben dem Eingang beweisen – waren neben dem Heiligen Rochus auch der Heilige Judas Thaddäus und der Heilige Simon, die ebenfalls als Helfer in verzweifelten Situationen angerufen werden.

Die Kapelle, in der früher wie heute Gottesdienste stattfanden, weist eine Ausstattung ähnlich einer Kirche aus: einen frei stehenden Altar aus Sandstein, eine Kreuzigungsgruppe in der Apsis des Altarraums, daneben unverkennbar eine Statue des Patrons, des Heiligen Rochus, einen Tabernakel für die Hostien und einen Ambo für die Predigten sowie einen Kreuzweg an den Längswänden der Kapelle. In acht Kirchenbänken findet heute über 30 Kirchenbesucher Platz, weshalb die Kemmericher Kapelle gerne für Trauungen und Taufen ausgewählt wird.

 

Quelle: Text R. Wagner, Fotos Gemeindearchiv Lindlar


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