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Kapelle Frauenhäuschen

Kapelle Frauenhäuschen

Eine Besonderheit unter den Kapellen Lindlars stellt das unweit vom Ortskern gelegene so genannte „Frauenhäuschen“ dar: mit Ried gedeckt, von quadratischem Grundriss, mit dem einzigen Barockaltar in der Gemeinde, ohne elektrischen Strom, Ziel zahlreicher Prozessionen im Laufe der Jahrhunderte und einst Mittelpunkt einer Armenstiftung der Heiligenhovener Adeligen wirkt es wie ein Kleinod in der offenen Weidelandschaft vor dem Ortseingang. Dabei täuscht die Jahreszahl oberhalb der Eingangstür „1703“, denn die Kapelle ist bereits weit über 500 Jahre alt.

Während wir über den Bau der Kapelle, die ursprünglich wohl im Besitz der katholischen Kirche Lindlar gewesen sein muss, so gut wie nichts mehr in Erfahrung bringen können, gehörte sie im 17. Jahrhundert bereits zur Burg Mittelheiligenhoven, eine der drei ehemaligen Adelssitze im unterhalb gelegenen Lennefetal, von der heute nur noch Schloss Oberheiligenhoven erhalten ist, während an Unterheiligenhoven nur noch eine Ruine erinnert und Mittelheiligenhoven im Gelände heute so gut wie gar nicht mehr zu erkennen ist. Eine Urkunde aus dem Jahre 1519 erzählt jedoch davon, dass der Besitzer Mittelheiligenhovens, Wilhelm von der Horst, von Heinrich Schinkern von Waldenburg aus Unterheiligenhoven einen Goldschatz von 100 Gulden erhalten haben, die sie der Lindlarer Kirche vermachen. Sie wird zum Kapital einer „Armen-Rente“, aus der man alljährlich eine milde Gabe für arme Leute am Lindlarer Kirmestag zukommen lässt, abzuholen am 1. Oktober am Frauenhäuschen. „Ausgezahlt“ wurde diese Rente zunächst in Naturalien in Form von Brot und Fleisch, später dann in Bar. Das restliche Kapital fiel schließlich nach dem Ersten Weltkrieg1923 der Inflation zum Opfer.

Ähnlich wandelten sich auch die Besitzverhältnisse der Kapelle: Hatte 1703 Carl Lothar Freiherr von Waldenburg von Unterheiligenhoven die Burg erworben, wie das Waldenburgische Wappen über der Eingangstür anzeigt, so ging es 1767 in den Besitz der Herren von Oberheiligenhoven über, die ihren Besitz jedoch nach dem Ersten Weltkrieg nicht mehr halten konnten. Kurze Zeit war der Kreis Wipperfürth, zu dem Lindlar gehörte, Eigentümer, dann der preußische Staat, der in der Nachbarschaft den „Musterhof Falkenhof“ errichtete, während später die Pächter das Anwesen übernahmen und somit das Frauenhäuschen in private Hände kam.

Nachdem das Innere der Kapelle bereits 1993 restauriert worden war und insbesondere der barocke Altar zu neuem Glanz kam, wurdet 2011 das aus Bruchsteinen errichtete Gebäude aufwändig instandgesetzt, die Außenwände mit Kalkschlämme gestrichen, das Dach mit Stroh neu eingedeckt.

Während die Kapelle heute nur noch einmal im Jahr im Oktober von einer Prozession besucht wird, war sie in früheren Zeiten häufig Ziel von Gottestrachten, Bittprozessionen und Emmausgängen, vorwiegend in der Zeit um Ostern. Von einer großen Prozession hören wir um 1705: Sie führte von der Kirche St. Severin über die Johanneskapelle und Heiligenhoven zum Frauenhäuschen, von da zurück zur Kirche und band die Geistlichen von Lindlar, Hohkeppel und sogar von Engelskirchen ein. An Sonntagen wird bei geschlossenem Gitter die Holztüre geöffnet und gibt den Blick frei in das Innere der Kapelle.

 

Quelle: Text R. Wagner, Fotos Gemeindearchiv Lindlar


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