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Kath. Pfarrkirche St. Apollinaris

St. Apollinaris Frielingsdorf

Die Geschichte der Pfarrkirche St. Apollinaris ist zugleich die Dokumentation des Strebens nach Selbstständigkeit, das die Bewohner des zweitgrößten Kirchdorfs der Gemeinde auch immer wieder in Konflikt mit den Lindlarern führte: Nach dem Bau einer kleinen Kapelle 1797 wird Frielingsdorf in Etappen 1812 endgültig eigenständige Pfarrei. Ausgerechnet den Stadtheiligen von Düsseldorf, den Heiligen Apollinaris, wählen sie zum Pfarrpatron, nachdem sie die Regierung dort in ihrem Streben mehr unterstützt hat als das Erzbistum in Köln. Der erste Pfarrer: Johann Peter Ommerborn, auch als Freiheitskämpfer in der französischen Besatzungsszeit bekannt. 1848 wird die Kapelle durch eine große Kirche ersetzt, die 1927/28 von keinem Geringeren als von Dominikus Böhm umgebaut wird.

Ein Jahr nachdem der bekannte Architekt Dominikus Böhm von Oberbürgermeister Konrad Adenauer an die Kölner Werkschulen berufen wurde, erhielt er den Auftrag, die baufällige Apollinaris-Kirche durch einen Neubau zu ersetzen. Der 1928 geweihte Neubau wurde innerhalb und außerhalb der katholischen Kirche bis heute hoch gelobt und trug sicher dazu bei, das Selbstbewusstsein der Frielingsdorfer Bevölkerung zu stärken, die seit dem 18. Jahrhundert als zweitgrößten Kirchdorf der Gemeinde Lindlar nach mehr Selbstständigkeit strebten.

Der Wunsch nach eigener seelsorgerischer Betreuung entstand in den bewegten Zeiten der französischen Besatzung, in der für viele Menschen der Glaube auch ein Festhalten an überkommenen Traditionen bedeutete, die in der Säkularisierung verloren zu gehen drohten. Hinzu kamen die weiten Entfernungen zur Lindlarer Kirche, die den Besuch der Messe für die Fußgänger oft zu einem mehrstündigen Unternehmen machten. Als 1797 die Genehmigung zum Bau der ersten Kapelle in Frielingsdorf am Standort der heutigen Kirche erteilt wurde, stand das kleine Gotteshaus bereits, und der Kampf um eine eigenständige Pfarrei wurde fortgesetzt. Unterstützt wurden sie durch ihren ersten Pfarrer, Johann Peter Ommerborn, der jahrelang als „Freiheitskämpfer“ gegen die Besatzung Front gemacht hatte und nun den Frielingsdorfern unerschrocken beim Kampf nach mehr Selbstständigkeit half. Erfolgreich: Nach Rückschlägen wurde Frielingsdorf 1812 endgültig eine eigene Pfarrgemeinde, eher durch die Regierung in Düsseldorf als durch den Erzbischof in Köln unterstützt, weshalb man sich wohl für den Pfarrpatron Apollinaris entscheid, den Stadtpatron von Düsseldorf.

Ausgerechnet im Jahr der Revolution 1848 gelingt den Frielingsdorfern ein weiterer Erfolg: der Bau einer neuen Kirche, die sie anstelle der Kapelle errichteten. Doch auch dieses Bauwerk hält keine 80 Jahre: Aus unerklärlichen Gründen stürzt während der Messe am 2. Weihnachtstag 1926 ein Teil der Decke ein – der Weg ist frei für einen Neubau, den kein Geringerer als der bereits zitierte Kirchenbaumeister Dominikus Böhm 1928 zur Vollendung bringt.

Von außen ein monumentaler Bau, in dessen Turm der alte Kirchturm zum Teil noch integriert wurde und dessen Wände die klassischen Baustile widerspiegeln: an römische Bauten erinnernde Ziegelbänder, wehrhafte quasi romanische Außenmauern, gotisch anmutende Spitzbogenfenster. Um so erstaunlicher der lichtdurchflutete Innenraum, durch moderne Eisenbetonstreben auf Pfeiler und Säulen verzichtend, ausgerichtet auf den mit zwölf Stufen erhöhten Altarraum, hinter dem die Wand aufgelöst erscheint und Licht auf Kreuz, Altar und auf die im großen Kirchenschiff versammelte Gemeinde wirft.

 

Quelle: Text R. Wagner, Fotos Gemeindearchiv Lindlar


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