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Pfarrhaus Frielingsdorf

Kath. Pfarrhaus Frielingsdorf

Das Pfarrhaus in Frielingsdorf ist von besonderer Bedeutung: zum Einen, weil das über 200 Jahre alte Gebäude in seiner Form damals bereits von seiner Umgebung abstach, zum Anderen, weil sein „Architekt“ kein Geringerer war als Johann Peter Ommerborn selbst, der sich als „Freiheitskämpfer“ in den Zeiten der kriegerischen Auseinandersetzung mit der Besatzungsmacht Frankreich einen Namen gemacht hatte und nun in etwas ruhigeren Zeiten nicht nur als erster Pfarrer von Frielingsdorf eine eigenständige Pfarrei aufbaute, sondern auch selbst Hand anlegte, das Pfarrhaus entwarf und baute.

Beim Bau seines Pfarrhauses 1801 bewies Johann Peter Ommerborn, erster Pfarrer von Frielingsdorf, bereits, dass er zu Besonderem in der Lage war: Er plante ein Haus, das sich von denen der ländlichen Umgebung, für deren Bewohner er sich zeitlebens eingesetzt hatte, absetzte. Es war kein länglicher Fachwerkbau mit üblichem Giebeldach, sondern ein Steinhaus aus verputzten Bruchsteinen mit einer erheblichen Breite, zweigeschossig und von einem Krüppelwalmdach, mit Schieferplatten versehen, die es vor dem Bergischen Regen schützten. Auch Tür und Fenstereinfassungen aus Sandstein waren etwas Besonderes. Nicht nur der relief-artige Kelch, sondern auch die Inschrift auf dem Schlussstein über der Eingangstür bildeten die Unterschrift des Erbauers: „J(OHANN) P(ETER) OMMERBO(R)N DER WAR ALHIR DER ERSTE PASTOR UND HAT DIESESHAUS G(E)BAUET 1801“.

Wer war dieser damals 39jährige Bauherr, um den sich im Laufe der Zeit so viele Geschichten ranken, die ihn u.a. als „Held von Ommerborn“ verklären? Johann Peter Ommerborn wurde am 1. Januar 1762 auf Hof Ommerborn bei Lindlar geboren, besuchte das Franziskaner-Gymnasium in Wippperfürth und wurde 1788, also kurz vor Ausbruch der Französischen Revolution, in Köln zum Priester geweiht. Als Kaplan wirkte er in Offermannsheide, während die französischen Truppen bereits auf das rechte Rheinufer und ins Bergische Land eindrangen. Der unerschrockene Kaplan plante zusammen mit Advokaten Ferdinand Stucker aus Bensberg, gegen die französische Besatzung einen Landsturm zu organisieren und die Franzosen aus dem rechtsrheinischen Gebiet zu vertreiben. Dem Kriegsrat am 14. November 1795 in Offermansheide folgte die Organisation mehrerer Landsturmverbände von Kürten bis Marienberghausen, unterstützt durch katholische wie evangelische Pfarrer. Doch der erste Angriff vom Hohnsberg in Much scheiterte, da der Plan verraten worden war und die französischen Soldaten die Freiheitskämpfer mehr oder weniger überraschten. Diesem ersten Versuch folgten weitere Angriffe auf die Besatzer, jedoch nur mit mäßigem Erfolg. Die militärische Entscheidung fiel in Italien, wo die Österreicher die Franzosen schlugen und einen Friedensvertrag erzwangen, der den Rhein zur Grenze des Französischen Republik machte.

Johann Peter Ommerborn wechselte den Waffenrock gegen den Talar und wurde kurz nach der Jahrhundertwende Pfarrer von Frielingsdorf. Die Selbstständigkeit seiner ersten Pfarrei wurde jedoch bald darauf wieder zurückgenommen, doch in zähem Bemühen gelang es dem kampferprobten Pfarrer, 1812 die endgültige Eigenständigkeit seiner Pfarrgemeinde zu erringen. Den Neubau der Kirche zu Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte er jedoch nicht mehr. 1826 verließ er Frielingsdorf, wurde Pfarrer in Bergisch Gladbach Sand, wo er 1837 starb.

 

Quelle: Text R. Wagner, Fotos Gemeindearchiv Lindlar


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