Startseite

Kath. Pfarrkirche St. Agatha

St. Agatha Kapellen-Süng

Die Kirche St. Agatha in Süng, besser: in Kapellen-Süng ist bereits das vierte Gotteshaus an dieser Stelle nach der 1662 erstmals erwähnten strohgedeckten Kapelle, die 1799 durch einen Neubau ersetzt wurde, der bereits 20 Jahre später erneut durch eine kleine Kirche ersetzt wurde. Nachdem Süng 1860 eigenständige Pfarrei wurde, dauerte es noch einmal gut 50 Jahre, bis der Grundstein für die heutige Kirche gelegt wurde, deren Konsekration durch den Kölner Erzbischof erst Jahre nach dem Ersten Weltkrieg stattfand. Nicht nur die Glocken wurden in beiden Kriegen beschlagnahmt, in der kleinen Gedächtniskapelle wird vor allem der 43 aus der Gemeinde Gefallenen der beiden Weltkriege gedacht.

Von der Siedlung Süng hören wir bereits 1413 in den Verzeichnissen des Kölner Severinsstiftes, dem 1109 bekanntlich Lindlar „zugesprochen“ worden war. Hier gab es abgabepflichtige Höfe, die kirchlich zu Lindlar gehörten, aber bereits 1662 eine eigene kleine Kapelle hatten, in der die Messe gelesen wurde, von Lindlarer Geistlichen oder auch von Fransziskanern aus Wipperfürth. Ein Grund zum Neubau der Kapelle 1799 – aus Spendenmitteln der Gläubigen – mag gewesen sein, dass sich die Bewohner von Thier bereits 1794 um eine eigene Pfarrerhebung bemühten und dazu Höfe der Kapellengemeinde Süng abwerben wollten, wogegen sich die Lindlarer energisch wehrten.

Unklar bleibt, warum zu Beginn des 19. Jahrhunderts diese Kapelle gleich zweimal neu gebaut werden musste. Jedenfalls erhält sie 1830 einen neuen Chor und ein Schieferdach, das die alte Strohdeckung ersetzte. War der Vorgängerbau also Opfer der Flammen geworden? Wie auch immer. Das Leben der Kapellengemeinde in Süng entwickelte sich, natürlich auch durch die allmählich anwachsende Bevölkerung, im 19. Jahrhundert immer mehr.

Die Stiftung von 1799 diente aber nicht nur der Errichtung der Kapelle, sondern auch dem Schulunterricht, bemühte man sich doch gleichzeitig um die Einrichtung einer so genannten „Schulvikarie“, in der der Lehrer als „Schulvikar“ die Kinder für 8 Stüber monatlich im Lesen und Schreiben unterrichtete, für 10 Stüber zusätzlich im Rechnen. Der erste Schulvikar wurde in der Lindlarer Pfarrkirche 1799 gewählt und wenige Tage später vom Landesherrn bestätigt.

Die wachsende Gemeinde wurde bereits 1860 eigenständige Pfarrei und erhielt 10 Jahre später bereits einen Kaplan („Vikar“), ein Zeichen für eine aufstrebende Gemeinde.

Der Grundstein für das heutige Gebäude, entworfen von Professor Uhde aus Barmen, der auch die drei Altäre, die beiden Beichtstühle sowie die Kanzel entwarf, wurde 1913 gelegt. Wieder wurde von engagierten Bürgern Kapital zur Verfügung gestellt, so dass die Kirche noch in den ersten Tagen des Ersten Weltkriegs fertiggestellt und eingesegnet werden konnte, wenn gleich die Konsekration durch den Kölner Erzbischof erst 1923 stattfand. Die Orgel aus der alten Kirche wurde neu eingerichtet und erst nach dem Zweiten Weltkrieg durch eine neue ersetzt. Ebenso wurden die alten Glocken von 1844 in dem 1914 fertiggestellten Turm installiert. Dort blieben sie jedoch nur bis 1917, als sie beschlagnahmt und für Kriegszwecke eingeschmolzen wurden. Dasselbe Schicksal ereilte die erst 1927 neu gegossenen Glocken im Zweiten Weltkrieg 1942. Das 1935 errichtete Pfarrheim mit einem großen Saal und einst sogar 30 Schlafplätzen für „die wandernde Jugend“ erhöht die Attraktivität des Pfarrzentrum bis heute, wenngleich auch Süng wieder zum Seelsorgebereich Lindlar gehört.

 

 

 

Quelle: Text R. Wagner, Fotos Gemeindearchiv Lindlar


Bosbach IT-Services