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Schloss Oberheiligenhoven

Schloss Oberheiligenhoven

Obwohl die Geschichte von Schloss Heiligenhoven bis ins 14. Jahrhundert zurückreicht, ist das Hauptgebäude in seiner heutigen Form keine 30 Jahre alt, wieder errichtet nach einem Brand, der 1978 den Vorgängerbau zerstörte. Die Geschichte der Besitzer ist lang und kompliziert, verknüpft sowohl mit der Stadt Köln als auch mit Schultheißen des Herzogtums Berg und Landräten des Kreises Wipperfürth. Nachdem der Adel das Schloss aufgeben musste, diente es als Unterkunft des Reichsarbeitsdienstes, als Notunterkunft für Kölner Dienststellen und ausgebombte Familien, später als Familienerholungsstätte und Verwaltungssitz des Bergischen Freilichtmuseums.

„Gretin von heiligen hove“ scheint die erste gewesen zu sein, die als Nonne im ehemaligen Kloster Drolshagen den Namen „Heiligenhoven“ in der Geschichte auftauchen ließ. Gut 50 Jahre später erfahren wir dann aus dem Kölner Stadtarchiv Genaueres über den neuen Besitzer de Wrede, einen ehemaligen Söldner, der Schloss Heiligenhoven erwirbt. Die Liste der Nachbesitzer ist lang, enthält die Namen von Schultheißen des Amtes Steinbach wie den des Wilhelm von Steinrod (1573), von Kölner Bürgern wie der Familien Schenck von Nideggen (1666) und von hohen Beamten wie den des Pfälzischen Hofrats Reichritter von Brück. Dieser erwarb nun auch die beiden Güter Mittel- und Unterheiligenhoven, von denen heute kaum mehr als die Mühle Unterhoven erhalten ist, und errichtete das Gebäude in Oberheiligenhoven neu. In seiner Streitsucht legte er sich mit Pfarrer Potthof an, verlor und musste verkaufen: diesmal an die Familie von Fürstenberg, die bis nach dem Ersten Weltkrieg im Besitz von Oberheiligenhoven blieb und den Landrat Egon Reichsherr von Fürstenberg stellte, der seine Amtsräume als Landrat des Kreises Wipperfürth in der Vorburg einrichtete.

Der Adel verarmte jedoch in den 1920er Jahren rasch, und so übernahm der Kreis Wipperfürth das Anwesen. Bald wurde daraus eine Unterkunft für den Reicharbeitsdienst, der die Aufgabe übernahm, die waldreichen Hänge bis hinauf zum Hölzer Kopf zu roden, um Platz für „Musterhöfe“ im nationalsozialistischen Sinne zu schaffen. Nur der so genannte „Röhm-Putsch“ verhinderte, dass der für den 30. Juni 1934 geplante Besuch Adolf Hitlers in Heiligenhoven kurzfristig abgesagt wurde.

Die Katastrophe des Zweiten Weltkriegs führte zu neuen Nutzungen des Schlosses, indem zunächst das Kölner Wehr-Bezirks-Kommando hier untergebracht wurde, später dann Burg und Vorburg als Notunterkünfte für Kölner Familien umfunktioniert wurden. Nach dem Krieg ging das Anwesen dann in den Besitz der Kölner Stegerwald-Stiftung über, die daraus eine Familienerholungsstätte machte und damit dazu beitrug, die touristische Dimension Lindlars als Naherholungsgebiet zu begründen. In diese Richtung zielte dann auch die Nutzung als Verwaltungsgebäude des 1988 begründeten Bergischen Freilichtmuseums, das im angrenzenden Lingenbach-Tal entstand und den ehemals zu Heiligenhoven gehörenden Hof Peters in Steinscheid in das Museumskonzept mit einbezog.

Eine weitere Inwertsetzung erfuhr das Gelände zwischen dem Ortskern und Heiligenhoven durch die Errichtung des Freizeitparks, der sich an das Schul- und Sportzentrum anschließt und den Besuchern über den Schlosspark und das Wegenetz rund um den Steimel den autofreien Zugang zum Freilichtmuseum ermöglicht.

 

Quelle: Text R. Wagner, Fotos Gemeindearchiv Lindlar


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