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Bahnhof Lindlar

Bahnhof Lindlar

Kaum ein Ereignis zu Beginn des 20. Jahrhunderts, das in Lindlar sehnlicher erwartet wurde als der Anschluss ans Eisenbahnnetz. Am 16. Dezember 1912 erfüllte sich dieser Wunsch nicht nur für die die Menschen, die als Händler oder Besucher nach Köln gelangen wollten, sondern auch für die großen Firmen, allem voran die Steinindustrie, die ihre Waren jetzt wesentlich wirtschaftlicher vermarkten konnten. Der durch die Kriege verhinderte Weiterbau der Strecke, Motorisierung und Ausbau der Straßen führten 1960 zum Aus für die Strecke, nicht aber für den Bahnhof, der liebevoll restauriert wurde und erhalten blieb.

Nach jahrzehntelangen Bemühungen erreichte der Schienenweg, der 1868 von Köln aus bis Bergisch Gladbach führte, 1891 das Sülztal, gesponsort durch die Firmen Reusch in Hoffnungsthal und die Bergwerksgesellschaft in Untereschbach endlich Lindlar. Hier wurden Gleise und Bahnhof soweit wie möglich an den Brungerst herangeführt, um die Grauwacke mittels einer Schmalspurbahn auf dem sog. Bremsberg ohne große Mühe auf Waggons laden zu können. Damit hatte der mühsame Transport der Grauwackeerzeugnisse mit Pferdefuhrwerken nach Kaiserau und Engelskirchen ein Ende.

Der Bahnhof Lindlar zählte zu den Reichsbahnhöfen der Klasse III mit Personen-, Güter-, Gepäck- und Telegrammverkehr. Um Hauptgebäude herum verteilten sich auf dem 800 Meter langen Bahnhofsgelände zwölf Gleise, ein Lokschuppen, ein Kohlenbansen, um die Vorräte der Dampfloks aufzufrischen und ein Wasserturm. Mit einer Drehscheibe konnten die Bahnmitarbeiter im Handbetrieb die schweren Dampfloks wieder in Richtung Köln umsetzen. Zudem war in Lindlar die Bahnmeisterei.

Rasch siedelten sich rund um den Bahnhof zahlreiche Gewerbebetriebe an: eine Kohlen- und Düngemittelhandlung, eine Molkerei an. Eine Feilen- und Werkzeugfabrik war bereits 1911 in froher Erwartung der baldigen Bahn an der Wipperfürther Straße entstanden. Eine breite gepflasterte und mit Bordsteinen befestigte Straße führte vom Ort zum Bahnhof. Zu Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Betrieb für zwei Jahre unterbrochen, die Wiedereröffnung im Oktober 1946 erneut sehnlich erwartet.

Während in den ersten Nachkriegsjahren die Bahn von Bewohnern, die in Köln ihre Wohnung verloren und in Lindlar und Umgebung eine Bleibe gefunden hatten, auf ihrem Weg zur Arbeit genutzt wurde, schrumpfte der Verkauf der Fahrkarten von 13500 im Jahre 1953 auf 8600 sechs Jahre später. Trotz erheblicher Bemühungen der Gemeinde Lindlar hob die Bahn den Personenverkehr 1960 auf, den Express- und Stückgutverkehr ein Jahr später, so dass den Lindlarern auch für den Güterverkehr der Weg zunächst bis Hommerich, später dann erneut ins Aggertal nach Engelskirchen zugemutet werden musste.

Bahn hof und Areal wurden in private Hände verkauft, und nachdem sich kurzfristig die Geschäftigkeit des Rotlichtmilieus hier breit machte, übernahm ein namhafter Lindlarer Spediteur nicht nur Gebäude und Gelände, sondern restaurierte das Bahnhofsgebäude liebevoll und fachgerecht, so dass es uns heute erhalten ist.

Der nahe gelegene Wasserturm, dessen Obergeschoss leider nicht mehr erhalten ist, liegt heute wie ein Wahrzeichen am nordwestlichen Ende des ehemaligen Bahnhofs und markiert den Standort eines neuen Gewerbebetriebs, den eines Discounters.

 

 

Quelle: Text R. Wagner, Fotos Gemeindearchiv Lindlar


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