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Haus Biesenbach

Haus Biesenbach

Kaum ein Haus in Lindlar mag so oft Aussehen und Besitzer gewechselt haben wie Haus Biesenbach, eines der ältesten Wohnstätten im Ortskern von Lindlar. Die alte Bezeichnung „Om ungersten Iser“ weist auf seine Lage am Außengraben des Kirchhofs hin, über dem am südlichen Falltor ein Gitterrost lag, um die Tiere vom Betreten des Friedhofs abzuhalten. Hier wohnte der Küster, der nebenher ein Badehaus betrieb, der Lehrer der ersten Lindlarer Schule 1612, der hier auch unterrichtete, kurzfristig war hier auch einmal die Post. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts Gasthaus, erlebte das Haus zahlreiche Besitzerwechsel und Umbauten.

Haus Biesenbach liegt unmittelbar unterhalb der Pfarrkirche St. Severin auf einem Siedlungsplatz, der möglicherweise bereits bewohnt war, bevor Lindlar 1109 erstmal schriftlich in einer Urkunde des Kölner Erzbischofs erwähnt wird. In dieser Urkunde ermäßigt Erzbischof Friedrich I. die „Kathedralsteuer“, die Abgaben der Kirche im Dorf Lindlar an die bischöfliche Hauptkirche zugunsten des Severinsstiftes auf zehn Schilling. Es ist gleichzeitig der erste Hinweis auf den Patron der Lindlarer Pfarrkirche, den heiligen Severin, den dritten überlieferten Bischof von Köln.

Einen Hinweis auf die Lage dieses Haus am Rande der Dorfbefestigung gibt die alte Bezeichnung „Om ungersten Iser“ (= „am untersten Eisen“). Gemeint ist ein Gitterrost, das man an den Zugängen zum Kernbereich von Kirche, Friedhof und Fronhof über den Graben legte, der den Kernbereich des Dorfes vor allem auch vor den Tieren schützen sollte, die man zumindest vom Kirchhof fernhalten wollte. Einzelheiten zu dieser Befestigungsanlage sind zu Lindlar nicht bekannt, aber es dürfte wohl eine Wallanlage, mit dornigem Buschwerk und vielleicht auch Palisaden bestanden, gewesen sein.

Im Eigentum der Pfarrgemeinde erscheint das Haus um 1500 als „Offerhaus“, der Wohnung des „Offermanns“, des Küsters, der gleichzeitig hier eine Badestube unterhielt. Zu größerer Ehre gelangte das Haus, als 1612 die erste Schule in Lindlar gegründet wurde und einige Räume dem Lehrer als Wohnung unter Unterrichtsraum zur Verfügung gestellt wurden. Das „Kirchenhuß ahm understen Iser“ wird aber mit der Zeit so marode, dass der Schulvikar in ein anderes Domizil am Fronhofsgarten umziehen muss. 1831 wird das alte Haus abgerissen und macht dem heutigen Gebäude Platz.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts hatten sich die Küster einen neuen Nebenerwerb verschafft: Sie betrieben nunmehr keine Badestube mehr, sondern Landwirtschaft, eine Bäckerei und vor allem eine Gastwirtschaft. Dass der Betrieb florierte und auch der Schnaps üppig floss, davon berichtet die Heimatdichterin Carola Lob in dem Heimatspiel „Lenkeln 1848“ („Lindlar 1848).

Während 1877 auch die Post für kurze Zeit in diesem Gebäude Unterschlupf fand, eröffnete der neue Besitzer 1911 im Eckhaus ein Friseurgeschäft. Doch das Eckhaus wird 1937 abgerissen und durch das heutige Fachwerkhaus ersetzt.

Nach mehreren Besitzerwechseln, bei denen bisweilen der Gebäudekomplex in zwei unterschiedlich genutzte Gebäude geteilt wurde, gelangte das Haus 1964 in den Besitz der Familie Biesenbach, die ihm bis heute den Namen gegeben hat. Die neuen Besitzer gestalteten das Erdgeschoss im bergischen Fachwerkstil neu, bauten das Dachgeschoss aus und schufen mit weiteren Hotelzimmern neue Übernachtungsmöglichkeiten in der wachsenden Gemeinde Lindlar.

 

 

 

 

Quelle: Text R. Wagner, Fotos Marcus Kruse, Gemeindearchiv Lindlar


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