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Winterschule

Winterschule

Dass aus der ehemaligen „Winterschule“, die für die Aus- und Weiterbildung in der Landwirt-schaft zuständig war, ein Hotel für den Fremdenverkehr entstanden ist, entspricht der Entwick-lung in Lindlar in den letzten Jahrzehnten. War der erwartete Anschluss an das Eisenbahnnetz 1912 das schlagende Argument für Lindlar als Standort der Landwirtschaftsschule für die Region Lindlar, Hohkeppel, Kürten und Olpe, so nahm nach der Stilllegung der Strecke in den 1960er Jahren auch die Bedeutung der Landwirtschaft ab, so dass die Schule 1966 aufgelöst und das Gebäude knapp 20 Jahre später zum Hotel umfunktioniert wurde.

Personengruppe

Nachdem die Menschen auf den kargen Böden des Bergischen Landes, kaum von der Sonne verwöhnt und mit hohen Niederschlägen gesegnet, durch Dreifelderwirtschaft und Fruchtwechselwirtschaft Jahrhunderte lang halbwegs ausreichende Erträge erzielten, versuchte in preußischer Zeit zunächst der Landwirtschaftliche Verein für Rheinpreußen, später die 1899 gegründete Landwirtschaftskammer die modernen wissenschaftlichen Erkenntnisse der Düngerlehre über Wanderlehrer und Winterschulen auch den jungen Landwirten zu vermitteln.

Lindlar öffnete sich bereits 1908 den Anregungen der Landwirtschaftskammer in Bonn, eine solche Winterschule einzurichten, bewarb sich mit der Aussicht auf die in Bau befindliche Sülztalbahn, die schließlich 1912 Lindlar erreichen sollte, und mit weiteren finanziellen Versprechungen und – bekam den Zuschlag. Auf dem für 14,18 Mark angekauften Grundstück an der Pollerhofstraße in Sichtweite des Amtsgerichtes entstand in Bergischer Bauweise – Keller und Erdgeschoss in Lindlarer Bruchstein, Obergeschoss in Fachwerk – ein Schulgebäude, das bereits am 3. November 1910 eröffnet wurde und 28 Schüler aufnahm. Die Grundlehren der Landwirtschaft, Tierhaltung und Tierzucht, landwirtschaftliches Vereins-und Genossenschaftswesen standen ebenso auf der Stundentafle wie Versicherungswesen und Sparkassen- und Kreditwesen.

Nachdem bald darauf in der Kriegsjahren des Ersten Weltkriegs der Unterricht ausfallen musste, weil fast alle Schüler zum Kriegsdienst eingezogen wurden, rückte in den 1920er Jahren auch das weibliche Klientel in den Fokus der landwirtschaftlichen Bildung: Nachdem ein Anbau errichtet worden war, begann am 3. November 1927 die erste Mädchenklasse mit dem Unterricht. Während der 30er Jahre spielte die Landwirtschaftsschule dann auch eine beratende Funktion bei der Errichtung der Bauernstellen in dem gerodeten Areal zwischen Schloss Heiligenhoven und dem Hölzer Kopf, der sogenannten Siedlung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren jedoch viele landwirtschaftliche Betriebe nicht mehr existenzfähig und mussten aufgegeben werden, als durch Einführung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und Globalisierung die Konkurrenz zu groß wurde. So schloss die Winterschule 1966, ihr letzter Leiter, Landwirtschaftsdirektor Josef Vollmer, wechselte nach Wipperfürth und das Gebäude wurde veräußert.

Seit langem ist der Standort in Lindlar und Umgebung wieder bekannt geworden durch die Umwandlung in einen Hotel- und Restaurantbetrieb, der unter dem Namen „artgenossen“ nicht nur Hotelgästen zur Verfügung steht, sondern mit zahlreichen kulturellen Veranstaltungen und Ausstellungen auch über die Grenzen Lindlars hinaus bekannt sein dürfte.

 

 

 

Quelle: Text R. Wagner, Fotos Marcus Kruse, Gemeindearchiv Lindlar


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