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Alte Schule

Gemeindebücherei Alte Schule

Das Haus Eichenhofstraße 6 ist ein weiteres Beispiel dafür, dass es im traditionsreichen Lindlar eine Reihe altehrwürdiger Bauten gibt, die aber im Laufe der Zeit sowohl ihre Besitzer als auch ihre Funktion gründlich wechselten. Gebaut als erstes festes Schulgebäude nach Einführung der allgemeinen Schulpflicht im 19. Jahrhundert diente es seit 1985 nach Entkernung des gesamten Obergeschosses als Versammlungsraum für den Gemeinderat und seiner Ausschüsse, aber auch für kulturelle Veranstaltungen und Ausstellungen, bevor es 2013 aufgegeben und an einen privaten Investor verkauft wurde.

Schule hat in Lindlar eine mehr als 400jährige bewegte Geschichte, von der Anstellung des ersten Schulmeister am 16. März 1612 über die Betreuung der Kinder durch den Vikar bis hin zur Errichtung von Knaben- und Mädchenschule nach Einführung der allgemeinen Schulpflicht durch die Preußen 1815. Es sollte jedoch noch fast 30 Jahre dauern, bis auf dem von der Gemeinde erworbenem Grundstück an der Eichenhofstraße das erste offizielle Schulgebäude Lindlars errichtet wurde. Das großzügig angelegte Bruchsteingebäude enthielt dennoch nur drei Klassenräume, da genügend Platz für die Lehrerwohnungen vorgehalten werden musste. So standen gut 50 Jahre später zwei weitere Schulbauten oberhalb an, die mittlerweile dem Gebäude Kreissparkasse gewichen sind.

Die zentrale Bedeutung dieses Gebäudekomplexes wurde nicht nur durch den heute ebenfalls verschwundenen Feuerwehrturm ergänzt, sondern vor allem auch durch das unmittelbar an der Eichenhofstraße im Jahre 1877 errichtete Kriegerdenkmal, dessen Adler bis heute in Richtung Berlin blickt, auch wenn ihm das Bankgebäude zunächst den Blick versperrt. Zahlreiche Gedenkfeiern, Fackelzüge unter Anwesenheitspflicht der Schuljugend hat das Kriegerdenkmal sowohl in der Kaiserzeit als vor allem auch in der NS-Zeit erlebt. Höhepunkt der raschen Machtentfaltung des Nationalsozialismus – selbst im kirchlich geprägten Lindlar – war die Pflanzung der „Hitler-Eiche“ bereits am 1. Mai 1933, ein „Naturdenkmal“, das durch die Umgestaltung des Geländes als Rondell in den 1980er Jahren – wohl eher aus Unwissenheit – noch einmal entsprechend betont wurde.

Als durch den raschen Bevölkerungszuwachs nach dem Zweiten Weltkrieg der Schulraum nicht mehr ausreichte, entstand an der Hellinger Straße ein neuer Schulkomplex, als „Südschule“ gebaut, nach der Schulreform 1968 dann von der Hauptschule bezogen, während die Grundschule zunächst an der Eichenhofstraße verblieb. Nach Errichtung des Schulzentrums am Wilhelm-Breidenbach-Weg zog jedoch auch die Grundschule aus dem Ortskern an die Hellinger Straße. Die 1896 und 1908 errichteten Erweiterungsbauten wurden abgerissen zugunsten des Bankgebäudes, die alte Schule von 1844 wurde in Wert gesetzt durch Errichtung des Ratssaals im Obergeschoss und die Nutzung des Erdgeschosses durch die Bücherei und zunächst durch LindlarTouristik.

Nach dem Verkauf des Gebäudes an einen privaten Investor wird der Ratssaal auch nicht mehr für kulturelle Veranstaltungen und Ausstellungen zur Verfügung stehen, während die Bücherei an dieser Stelle ihren Standport behalten wird. Ob die offizielle Beflaggung der Gemeinde Lindlar, die an dieser Stelle auch an ihre Partnerstädte in England, Frankreich und Kroatien erinnert, bestehen bleiben wird, das wird sich zeigen.

 

 

Quelle: Text R. Wagner, Fotos Gemeindearchiv Lindlar


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