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Jubilate-Kirche Lindlar

Jubilate-Kirche

Der markante offene Glockenturm der Jubilate-Kirche markiert eine besondere historische Entwicklung für Lindlar nach dem Zweiten Weltkrieg: Während die wenigen Christen evangelischen Bekenntnisses bis dahin die Kirche in Delling (Gemeinde Kürten) aufsuchten, bildeten nach 1945 die protestantischen Vertriebenen aus den Ostgebieten eine Kirchengemeinde, deren Zentrum die 1956 eingeweihte Jubilate-Kirche auf dem Korb bildet, 2011 ergänzt durch das angrenzende Jubilate-Forum. Bemerkenswert ist auch der Innenraum der Kirche, der ohne Pfeiler auskommt und durch einen Fensterfries beleuchtet wird.

Nachdem sich 1949 Lindlar eine Gemeinde von evangelischen Christen gebildet hatte, von denen die meisten am Ende des Zweiten Weltkriegs als Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten stammten, begann die Planung der Jubilate-Kirche. Am 22. April 1956, am Sonntag „Jubilate“, wurde das Gotteshaus nach zweieinhalbjähriger Bauzeit eingeweiht, so dass der weite Weg der evangelischen Lindlarer zur Kirche nach Delling bei Kürten ein Ende hatte.

Der offene Glockenturm ist seit den 50er Jahren ein Wahrzeichen für Lindlar geworden: im Volksmund „Zitronenpresse“ genannt und doch nicht mehr wegzudenken aus dem Ortsbild. Im Kontrast zur katholischen Pfarrkirche St. Severin wurde ein Erscheinungsbild der Kirche realisiert, das mittels einer Betonkonstruktion Transparenz und Offenheit in zeitgenössischer Architektursprache vermittelt. Als in der 1980er Jahren deutlich wurde, dass die damals knapp 30 Jahre alten Betonkerne der Pfeiler nicht mehr standsicher genug waren, wurde 1990 im Zuge einer Betonsanierung die ursprüngliche Grauwackeverklinkerung durch eine aufwendige Bleiverkleidung ersetzt, die aber dem Erscheinungsbild der Natursteinoptik der alten Baupläne folgt.

Auch der Kircheninnenraum stellt eine Besonderheit dar: Kein Pfeiler versperrt die Sicht im Inneren, dessen Fläche die Form einer Parabel aufweist. In deren Bogen an der Ostseite steht der Altar, daneben Kanzel und Taufstein. Die breitere, westliche Seite ist mit einer Empore ausgestattet, reserviert für Orgel und Chor. Die Wände bestehen aus weiß gestrichenem Sichtmauerwerk.

Der Raum wird durch den umlaufenden Fensterfries in ein angenehmes Licht getaucht. Die drei Motivfenster stammen von dem Kölner Künstler Ernst Thomas Reimbold, der sich inspiriert vom Namen der Kirche, Jubilate, auf die Psalmworte „Alle Welt lobe den Herrn“ (Psalm 104 und 148) bezog. Sie entfalten wie ein Triptychon in symbolhafter Bildsprache die Werke der Schöpfung, den Psalmisten David mit der Harfe, den Fingerzeig Gottes auf die Rose als Christussymbol, flankiert von Symbolen der Autorität und Barmherzigkeit Gottes (Mitte), sowie Menschen aus dem täglichen Leben der Umgebung: den Ackersmann und den Steinmetz.

Während bereits beim Bau ein Versammlungsraum im Kellergeschoss der Kirche angelegt worden war, begann man in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends mit der Planung des Jubilate-Forums. Es besteht aus einem einem großen Veranstaltungsraum, mehreren Gruppenräumen, Küche, Foyer, Terrasse und ist auch vom unteren Parkplatz über einen Aufzug barrierefrei erreichbar. Auf der Homepage der Evangelischen Gemeinde heißt es: „Das Jubilate-Forum Lindlar ist ein Ort der Begegnung, der Kultur und Bildung und des Bürgerschaftlichen Engagements, ein Ort, an dem Sie Angebote wahrnehmen oder machen können, ein Dach über dem Kopf für vieles, was in Lindlar gewollt oder gebraucht wird. Und eine Plattform für Themen und Projekte, die gemeinsam angepackt werden sollen.“

 

 

 

 

Quelle: Text R. Wagner, Fotos Gemeindearchiv Lindlar


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