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Kath. Pfarrhaus Lindlar

Pfarrhaus Lindlar

Dass zu einer der größten Pfarreien des Bergischen Lands ein stattliches Pfarrhaus gehört, versteht sich. So steht dieses aus Lindlarer Grauwacke errichtete zweistöckige Bauwerk in unmittelbarer Nähe der Pfarrkirche St. Severin in der Pfarrgasse Nr. 3, auch wenn die in den 70er Jahren gebaute „Umgehungsstraße“, die Dr. Meinerzhagen-Straße, die Verbindung zur Kirche unterbrochen hat. Das Pfarrhaus stammt zwar aus dem Jahre 1766, wurde jedoch auf dem Gelände seiner Vorgängerbauten errichtet, unmittelbar neben dem Wiedenhof, der nicht vor allzu langer Zeit den Geschäftsräumen der Volksbank gewichen ist.

Pfarrhaus mit Wiedenhof

Das markante Krüppelwalmdach erhielt das Lindlarer Pfarrhaus erst 1975, nachdem das Dach durch einen Blitzschlag stark beschädigt worden war. Ursprünglich trug das 1766 vollendete Pfarrhaus ein nicht weniger originelles Spitzdach, mit dem möglicherweise der streitbare Pfarrer Potthof ein Zeichen setzen wollte: Er hatte den Neubau des Pfarrhauses nicht nur dem Kurfürsten Karl Theodor von der Pfalz und der Herzogtümer Berg und Jülich abgetrotzt, sondern sich auch mit dem Schultheißen des Amtes Steinbach angelegt. Das war damals Johann Joseph Reichsritter von Brück, der Besitzer des Rittersitzes Heiligenhoven, der dem Pfarrer vorwarf, er habe Eichen fällen lasse ohne die damals schon gültige Rechtsordnung zu beachten, für jede gefällte Eiche zwei junge Bäume anzupflanzen. Wie auch immer, der Pfarrer siegte, ließ Keller und Erdgeschoss seines neuen Domizils aus Lindlarer Grauwacke errichten, darauf ein vorkragendes Obergeschoss in Fachwerk, das später eine Schieferverkleidung erhielt, darüber das bereits erwähnte Spitzdach, das später durch ein Giebeldach und heute durch ein Krüppelwalmdach ersetzt wurde.

An dieser Stelle dürfte jedoch mehr oder weniger seit der Gründung Lindlars im 12. Jahrhundert der Wohnsitz des Pfarrers bestanden habe, dessen Kirchspiel bis ins Aggertal reichte: Es umfasste nämlich neben Lindlar die Orte Frielingsdorf, Engelskirchen, Hohkeppel, Süng und Linde. Nachdem sich an diesen Orten im Laufe der Zeit eigenständige Pfarren entwickelt haben – Hohkeppel bereits um 1400, Engelskirchen 1554, die restlichen im 19. Jahrhundert – haben sich die Lindlarer Pfarrgemeinden zu Ende des 20. Jahrhunderts wieder zu einem großen Pfarrverband zusammengeschlossen.

Kehren wir ins mittelalterliche Lindlar zurück: Ohne eine Kirchensteuer nach heutigem Muster war die wirtschaftliche Grundlage des Pfarrers durch einen Bauernhof geregelt, der ihm geschenkt, „gewidmet“ wurde, woraus der Name „Wiedenhof“ entstand. Der stand bis in die 1970er Jahre unmittelbar neben dem Pfarrhaus, wich dann in weniger agrarisch geprägten Zeit einem Neubau, der von der Kirche an die Raiffeisenbank, die heutige Volksbank vermietet wurde.

Nachdem 1904 bereits das Grundstück für das ehemalige Rathaus, dem heutigen „Haus der Begegnung“, herausgelöst wurde, ist 2012 der riesige Pfarrgarten, der bis an den Kindergarten und die neue Kaplanei am Paffenberg reichte, großzügig bebaut worden. Es handelt sich um den Neubau des Pfarrer-Braun-Hauses in der Trägerschaft des Deutschordens-Wohnstift Konrad Adenauer e.V., das als Altenzentrum am Ortsrand errichtet worden war und nunmehr in der Nähe des Ortskerns einen neuen Standort unmittelbar oberhalb des Pfarrhauses erhalten hat – ein Pfarrhaus im Schatten des Altenzentrums.

 

 

 

Quelle: Text R. Wagner, Fotos Gemeindearchiv Lindlar


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