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Altes Rathaus

Haus der Begegnung

Ein stattliches Rathaus sieht anders auch: Dennoch verschweigt das dreistöckige Gebäude in der Nähe des Ortskerns von Lindlar nach Umbau und Renovierung 2013 kaum, dass es sich um ein besonderes Gebäude der Bergischen Gemeinde handelt. Während der Gründerzeit, in der auch manch andere wichtige Häuser wie das Amtsgericht und das Krankenhaus in Lindlar entstanden, wird es 1904 errichtet und bereits ein Jahr später bezogen. Nunmehr hatte auch Lindlar ein Bürgermeisteramt, nachdem die Bürgermeister in Lindlar zuvor die Amtsgeschäfte jeweils von ihrem Wohnhaus geführt hatten.

Rathaus in den 1950er Jahren
Um 1910

Nachdem das ehemalige Bürgermeisteramt an der Korbstraße im Zuge der Renovierung 2013 von einem modernen Anbau aus den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts befreit wurde, ist der würdevolle Charakter dieses dreigeschossigen Hauses ganz wiederhergestellt: Die hohen Fenster ließen einst das Tageslicht in den letzten Winkel der Amtsstuben dringen, die zu Beginn des vorigen Jahrhunderts noch ohne elektrischen Strom auskommen mussten. Eine komplette Verschieferung schützte das Amtsgebäude vor dem legendären bergischen Regen und der turmartige, in der Mittelachse bis ins Dachgeschoss leicht vorspringende Gebäudeteil, auch „Risalit“ genannt, gab dem Haus zur Ortsmitte hin einen repräsentativen Charakter.

Während die leitenden Beamten des früheren Amtes Steinbach, das zum Herzogtum Berg gehörte, meistens auf ihren Burgen, zum Beispiel in Neuenberg und Heiligenhoven zu Hause waren, führten die vom preußischen Staat ab 1815 eingesetzten Bürgermeister ihre Amtsgeschäfte von ihren repräsentativen Wohnhäusern aus, so Alexander Court, der erste von ihnen, in der Kamper Straße. Die Leitung der Gemeinde wechselte nicht nur häufig, sondern zeitweise waren die Bürgermeister gleichzeitig für drei Gemeinden zuständig: für Lindlar, Engelskirchen und Hohkeppel. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wuchsen allerdings die Aktenberge, so dass der Gemeinderat über ein eigenes Dienstgebäude nachdachte, wie die Nachbargemeinden es zum Teil schon besaßen.

Das Grundstück an der Korbstraße neben Pfarrhaus und dem einst den Pfarrer versorgenden Wiedenhof kaufte man 1904 für weniger als 1000 Mark der Kirche ab und legte dann weitere 22000 Mark auf den Tisch, um den Bau mit heimischen Handwerkern zügig zu errichten. Bereits ein Jahr später konnten die Diensträume im Erdgeschoss bezogen werden, während Bürgermeister Peiffer seine Wohnung im oberen Stockwerk bekam.

Die Ausweitung der gemeindlichen Aufgaben nach dem Zweiten Weltkrieg führten nicht nur zur Aufgabenteilung, die neben dem ehrenamtlichen Bürgermeister nunmehr einen Gemeindedirektor vorsah, sondern 1957 auch zu einem Anbau an der Ostseite des Gebäudes, der u.a. den Ratssaal enthielt. Doch nach der kommunalen Neugliederung in Nordrhein-Westfalen, die 1975 für Lindlar u.a. das Gebiet der ehemaligen Gemeinde Hohkeppel einverleibte, reichte der Platz in diesem Gebäudekomplex nicht mehr aus. In Lindlar wurde man sich schnell einig: Die Gemeinde kaufte das ehemalige Schwesternwohnheim des Herz-Jesu-Krankenhauses in der Borromäusstraße für die Unterbringung der Gemeindeverwaltung, während das „Sozialzentrum Lindlar e.V.“ das alte Bürgermeisteramt ankaufte und es zum „Haus der Begegnung“ umgestaltete. Das erstrahlt nun in alter Würde als Kontrapunkt zum historischen Pfarrhaus am anderen Ende des Bankgebäudes, das zwischenzeitlich auf dem Gelände des ehemaligen Wiedenhofs errichtet wurde.

 

Um 2000
Umbau 2012

Quelle: Text R. Wagner, Fotos Gemeindearchiv Lindlar


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