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Altes Amtshaus

Altes Amtshaus

Wer sich im Trauzimmer des Alten Amtshauses das Ja-Wort gibt, ahnt oft nicht, wie viele Verhandlungen, Beurkundungen, Kaufverträge, Zwangsverkäufe in diesem Hause bereits geschlossen wurden. Vor über 300 Jahren als Amtshaus des Schultheißen Amt Steinbach erbaut, hat das „Alte Amtshaus“ eine wechselvolle Geschichte erlebt: als Gerichtssitz, angeblich als Verhandlungsort zwischen Österreich und Frankreich 1795, als Wohnhaus im Besitz der Freiherrn von Fürstenberg, beinahe als Schule und im Privatbesitz bis zum Kauf und zur Restaurierung durch die Gemeinde Lindlar 1996, als es wieder zum „Amtshaus“ wurde.

Bürgerschule und Altes Amtshaus
Personengruppe vor dem Hintereingang

Lindlar, mitten im Bergischen Land, kam bereits im 12. Jahrhundert zur Herrschaft der Grafen von Berg, benannt nach ihrem ursprünglichen Stammsitz, der Burg „Berg“ bei Altenberg. Nach der Aufteilung der Grafschaft in Ämter gehörte Lindlar zu einem der größten Ämter des Herzogtums Berg, dem Amt Steinbach. Die bereits 1433 erwähnte Burg Neuenberg bei Frielingsdorf beherbergte den Amtssitz des Amtes Steinbach, bis die Festung Ende des 17. Jahrhunderts abgebrochen wurde. Mitten in Lindlar wurde dann an dieser Stelle ein neues Amts-haus errichtet. Der erste Bewohner war Schultheiß Jakob Litz, oberster Verwaltungsbeamter und Richter. Da früher die Verwaltungssitze mehr den Amtsinhabern an deren Wohnsitz folgten als umgekehrt, verlegte Schultheiß Johann Ritter von Brück den Amtssitz in seine Burg nach Oberheiligenhoven. Schultheiß Peter Michael Court, aus Altenrath stammend, zieht 1782 wieder in das alte Amtshaus, das zuvor aufwändig renoviert worden war. Doch die Zeit des Herzogtums Berg neigt sich dem Ende zu, die kriegerischen Ereignisse in Europa im Zuge der französischen Revolution erreichen auch Lindlar: Im Strauweiler Tagebuch notiert der Gerichtsschreiber Anton Tils: „Die Kayserlichen konnten den Feind über die Wupper nordwärts zurückdrängen. In Lindlar, im Hause Hauptstraße 12, haben Österreicher und Franzosen einen Vertrag geschlossen, wonach das Gebiet zwischen Agger und Wupper als neutrales Gebiet erklärt wurde.“ Es gibt bisher keine andere Quelle, die das bestätigt, aber die Vereinbarungen haben Lindlar und das Bergische Land auch nicht nachhaltig vor der französischen Besatzung retten können. Als Kurfürst Maximilian-Joseph das Herzogtum Berg 1805 an Napoleon übergibt, endet auch die Geschichte des Amtes Steinbach. Die Franzosen führen eine neue Gemeindeordnung ein, aus Overath, Engelskirchen, Hohkeppel und Lindlar entsteht der „Kanton Lindlar“, der letzte Schulheiß wechselt vom Amtshaus an das „Friedensgericht Lindlar“ und Lindlar bekommt seinen ersten Bürgermeister, französisch „maire“ genannt. Lindlars erster Bürgermeister, Kolonialwarenhändler Georg Klug, führt seine Amtsgeschäfte jedoch nicht im Amtshaus, das nach dem Sieg über Napoleon in preußischer Zeit versteigert und als Notariat und Wohnhaus genutzt wird. Eine Nutzung als Schulgebäude war von der Regierung in Köln ebenso abgelehnt worden wie die Rolle Lindlars als Kreisstadt, das wurde zunächst Wipperfürth. Die Bewohner des alten Amtshauses, das zeitweise in den Besitz der Freiherrn von Fürstenberg kam, legten große Gärten an, die nicht zuletzt der Selbstversorgung in schwierigen Zeiten dienten. Sie reichten weit über den Marktplatz bis zum Pfarrhaus in idyllischer Lage, gab es doch die in den 1970er Jahren gebaut Umgehungsstraße genau so wenig wie den Marktplatz oder den Supermarkt. Nachdem das alte Amtshaus unter Denkmalschutz gestellt worden war, kaufte die Gemeinde Lindlar das Haus, das seitdem neben dem Trauzimmer und LindlarTouristik ein Restaurant beherbergt, Treffpunkt an historischer Stelle.

 

Quelle: Text R. Wagner, Fotos Gemeindearchiv Lindlar


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